Melee
Meine beiden anderen Gegner sind schon draußen. Wurden aus dem Spielfeld geworfen, haben ihre Leben ausgehaucht. Nun heißt es entweder er oder ich. Wir prügeln uns die Luft aus unseren Polygon-Körpern, hüpfen immer wieder gerade so rechtzeitig zurück in die Kampfarena. Unsere Hände werden schweißnass, wie in Trance hauen wir auf die Knöpfe unserer Controller. Den Ausgeschiedenen wird langweilig und holen sich eine Pizza. In der Welt meines Kontrahenten und meiner existiert Essen nicht. Ebenso wie Durst, Sehnenscheidenentzündungen, schmerzende Augen und müde Körper. Wir kämpfen nur noch um zu gewinnen. Es wird knapp. Sein Link hat nur noch ein Leben, mein Yoshi ebenfalls. Schließlich werde ich unachtsam, lasse mich von etwas aus der realen Welt ablenken. Ich werde aus der Arena gekickt, ich verliere. Diese Schmach, diese Schmach. Mein Gegner gewinnt, er jubelt, freut sich über den Sieg. Kurz bin ich auf ihn sauer, doch dann reiche ihm anerkennend die Hand.
„Gut gekämpft.“, sage ich.
„Wie wäre es mit einer Revanche in Tony Hawk?“, fragt er.
Ich stimme zu und wechsle die Disk.
Überleben im Urwald

Es gibt die weit verbreitete Meinung, bei Videospielen komme es vor allem auf die inneren Werte an. Michel Ancel beweist uns das Gegenteil: Sobald dich zwei riesige Tyrannusaurus Rex durch einen atemberaubend schön modellierten Dschungel mit dichten Nebelschwaden jagen, interessiert es nicht, dass King Kong bei einem genauren Blick wie jedes andere Filmspiel gestrickt ist. Denn geradezu minimalistisch ist der Spielablauf gehalten: Ballern, Schlüsselsuche, Prügeln. Die drei typischen Elemente, aus denen jedes Actionspiel zweiter Klasse gestrickt ist und die sich auch in Ubisofts Weihnachtsblockbuster in einem erschreckend primitiven Muster immer wieder wiederholen.
Mit dem Unterschied, dass dies wohl kaum ein Mensch vor dem Ende des Spiels merkt, mich eingeschlossen. Denn was die Entwickler geschaffen haben, ist ein dichtes Erlebnis, das ein reflektieren des Spielablaufs kaum zulässt. Getreu dem Motto: Mit einer Saurierhorde im Nacken bleibt wenig Zeit zum Nachdenken. Und so reiht sich ein Ereignis an das Nächste. Die Hetzjagd durch das Gestrüpp der Insel beginnt quasi mit Ankunft der aus der Vorlage bekannten Filmcrew und erstreckt sich bis zum Ende. Was mit einigen Spinnen am Strand anfängt, findet später in der ganzen Pallette des Urzeitgetiers seinen Höhepunkt. Unter enormen Zeitdruck heisst es zum nächsten Speer zu hechten, ihn zu ergreifen und mit aller Wucht dem auf wenige Meter herangekommenen T-Rex in seinen Rachen zu schleudern. Schußwaffen sind rar, die Feinde nicht. Ab und zu gibt es ein paar aufgesetzt wirkende Hindernisse. Ein Dornengestrüpp ist im Weg und muss niedergebrannt werden. Ein Tor ist verschlossen und der Öffnungsmechanismus muss gefunden werden. Nur kleine Verschnaufpausen, die sofort von Actionpassagen abgelöst werden. Ein andermal attackieren sich die Tiere auch gegenseitig. Oder lassen sich durch einen Kadaver gezielt locken. Das sind starke Momente von King Kong. Momente, die im Eifer des Gefechtes oft untergehen.
Ein ums andere mal würde ich gern stehenbleiben und einfach die traumhaft gezeichneten Landschaften bewundern. Aber auch dafür bleibt nicht viel Zeit. Es geht ums Überleben! Und zwar um mein Überleben. Diese Sogwirkung die King Kong auf mich ausgewirkt hat, ist schwer zu beschreiben. Aber vielleicht ganz gut zu begründen. Denn konsequent werden Barrieren zwischen dem Spieler und der Spielewelt vermieden, wo es nur geht. Keinerlei Bildschirminformationen erscheinen auf dem Monitor, nicht einmal ein Fadenkreuz. Und das funktioniert so gut, dass man sich fragt, warum das nicht bei allen Spielen schon lange so ist.
Herausgerissen aus dem Geschehen wird man nur beim Wechsel des Protagonisten. Nämlich dann, wenn man in die Rolle des Riesenaffens schlüpft. Das übermächtige Monster einmal unter Kontrolle, werden die eben noch furchterregenden, hungrigen Dinos zu gern willkommenen Opfern, die in Beat ‚em Up Manier verdroschen werden. Eine interessante Abwechslung, allerdings ist das Timing von Kongs Auftritten nicht immer dramaturgisch optimal.
Mich hat King Kong, wenn auch mit bescheidenen Mitteln, an die Konsole gefesselt wie kein anderes Spiel in diesem Jahr. Weil es so gut inszeniert ist, dass schwache Story und mangelnde Abwechslung gar nicht auffallen. Hoch lebe der Style!
Lukas Podolski Superstar?
Anfang des Monats verkündete Electronic Arts, dass Lukas Podolski neben Wayne Rooney und Ronaldinho das Cover von FIFA 06 zieren werde. Endlich sind deutsche Fußballer wieder Superstars, es geht aufwärts! Oder doch nicht? EA scheint jedenfalls nicht besonders großes Vertrauen in den Bekanntheitsgrad des eloquenten Kölner Talents zu haben. Denn auf den internationalen Covers macht sich in der Mitte eine seltsame Leere breit:

Nach dem WM-Titel wird sich das dann sicher ändern.
Und mehr irgendwie auch nicht.

Die Frau neben mir im Zug schielt leicht rüber. Der Laptop ist weit geöffnet, meine Finger tippen schnell irgendwas zusammen, zwei Stunden Fahrt wollen irgendwie überbrückt werden. Mir geht das alles furchtbar auf die Nerven, zuletzt schafft sie es sogar, ihren Kopf zu drehen. Anscheinend tun ihr ihre Augen weh. [Read more]
Zwischen Showgehabe, zweiten Geigen und harmlosen Moshpits

„…a final exit becomes clear. I am self destructive…“ [Read more]
GC05 Foto-Roman, Vol. 3

Der Sequel-Wahn nimmt keine Ende! Butter bei de Fische. In Volume 3 werden die Spiele in den Mittelpunkt gerückt. [Read more]
Zerstörungswut
King Kong ist ein großer und starker Affe. Und wie wir alle wissen sind große und starke Affen gefährliche Wesen. Das wissen wir nicht, weil wir schonmal große und starke Affen gesehen haben. Nein, wir wissen das, weil sich „groß“ und „stark“ so verdammt beängstigend anhört. Zugegeben, vor Donkey Kong hat keiner Angst, selbst wenn er groß und stark wäre. Aber King Kong? Meine Güte, schon allein der Name: King Kong. Der Affe hat es einfach drauf!
Dass dieser Affe nun ein eigenes Videospiel basierend auf einen gleichnamigen Kinofilm bekommt, war ja nur eine Frage der Zeit. Auf den bisherigen Screenshots und Postern sieht er auch ganz schön grimmig und groß und stark aus. Als eine Filmumsetzung hat man es ja nie leicht, aber hinter dem Spiel steckt ein Franzose. Und unser aller Lieblingsfranzose ist Michel Ancel. Der Typ, der Rayman geschaffen und mit Beyond Good and Evil ein Meisterwerk abgeliefert hat.
30% des Spiels wird man mit King Kong als Figur spielen dürfen. Soll heißen: 30% des Spiels darf man Dinosaurier verdreschen, Baumfäller spielen und eine Blondine beschützen. Stell ich mir persönlich ziemlich interessant vor, denn wann bitteschön durfte man als Videospieler das letzte Mal alles in seine Einzelteile zerlegen? Die Rampage-Spiele sind schon eine ganze Weile her, Blast Corps auch, Destroy All Humans hat ja noch sowas wie ne Hintergrundgeschichte, Godzilla-Spiele waren nie wirklich gut und Red Faction gilt nicht. Dabei sind diese Zerstörungsorgien oftmals so um einiges befriedigender als wilde Ballereien à la Serious Sam (wobei ich das Frust-Ablass-Potenzial von Sam niemals in Frage stellen würde!): Man läuft einfach nur durch die Gegend, nimmt irgendwelche Häuser ins Visier und führt eine Mario-Stampfattacke aus, um die Erde zum Beben zu bringen. Das, liebe Leute, ist total anspruchslos, absolut idiotisch, bedarf keiner großen Programmierkunst – und macht verdammt Spaß!
Ich persönlich hoffe ja, dass man in den Kong-Abschnitten das Hirn ausschalten muss. Damit ich einfach nur groß und stark sein kann.
Aggro-Ansage
Hallo Videospieler.
Ich hasse euch!
Warum hasse ich euch? Hasse ich euch alle, als anonyme Masse? Nein, seid beruhigt. Ich hasse nur dich, dich, dich, dich, dich, dich und die ungefähr drei Milliarden anderen Pfosten, die mit ihrem viel zu leicht verdienten Taschengeld für eine totale Gleichschaltung der Videospielelandschaft gesorgt haben! Ihr macht mich krank! Ich möchte auf eure saubere Wäsche brechen und all eure Bushido-CDs zerkratzen! Und dann zerkratze ich auch eure Festplatten, wo ihr die ganzen Bangbus-Pornos und „Aggro-Ansage“-Raubkopien draufhabt!
Ihr wisst genau, dass ich euch meine.
Wegen euch bin ich heute zur Esso-Tankstelle meines Vertrauens gegangen (Esso Pusch an der Meldorfer Straße, immer geile Angebote des Monats, Krengels satt sowie Bockwurst + Brötchen zu fairen Preisen!) und musste miterleben wie sich meine ohnehin schon furchtbare Laune verschlechterte, nachdem ich die Gamepro durchgeblättert hatte.
Nicht nur, dass kein einziges Spiel, das diesen Monat herauskam, es schaffte, mehr als 81% zu erreichen (das ist in Gamepro-Maßstäben unterirdisch, wo selbst Nicht-Spiele aus mir völlig fremden Gründen noch 30% erhalten und viel zu lustlos verrissen werden), nein: Jedes gottverdammte Spiel ist irgendein Gangsta-Scheiß!
Ganz ehrlich jetzt.

Du, ich muss ganz ehrlich sagen: das Kampfsystem ist echt mal für den Arsch! Und die Steuerung eigentlich auch, weil…nun ja…eigentlich steuerst du ja gar nicht. Du drückst einfach nur auf den A-Knopf und der Charakter bewegt sich wie auf Schienen. Nur schießen musst du selber. Und wenn du irgendwo abbiegen willst, kannst du – wenn du Pech hast – auf einen Gegner treffen, der dich attackiert, obwohl du ja eigentlich dabei bist, einen Weg auszusuchen. Das machst du ganz oft in Killer 7. Nun…nach „Gegner töten“ ist wohl „Weg wählen“ das zweithäufigste, das du in Killer 7 tust.
Tja, und da sind dann auch noch die Ladezeiten. Das Spiel lädt ganz oft, immer wenn du den Raum wechselst. Du, ich muss ganz ehrlich sagen: ich weiß ja gar nicht, was der da die ganze Zeit lädt. Die Grafik kann es ja nicht sein, denn die Grafik…nun ja…ist ja im Grunde genommen…ziemlich minimal. Du, ich kann dir das nicht so erklären, da musst du dir mal die Bilder anschauen. Ist total krass, ehrlich!
Und die Geschichte, die finde ich ja eigentlich auch ganz toll…nur…tja, die ist total verwirrend. Ich weiß ja nicht, handelt ganz viel von Politik und Bomben auf Japan oder so. Ist recht kompliziert, ich bin ja immer noch der Meinung, dass die Entwickler gar nicht wollen, dass man die Geschichte versteht. Naja, wie auch immer…
Es gibt sieben Charaktere, die du steuern kannst. Nun…streng genommen ja auch acht, weil nämlich der Typ im Rollstuhl, der Kopf der Truppe, ja auch steuerbar ist. Man läuft also durch die Gegend, ballert ganz viele von diesen Heaven dingsbums da nieder (die lachen immer so blöd, wenn die in der Nähe sind, dann muss man erst die Waffe zücken, dann mit L die Gegend scannen – nervt irgendwie voll) und löst das ein oder andere primitive Rätsel. Aber – da muss ich jetzt wirklich gnadenlos ehrlich sein – einige Rätsel lassen sich nur mit einem Killer7 (so heißt die Truppe) lösen. Das kann man während des Spiels ständig machen. Hin- und herwechseln. Ist irgendwie voll lustig. Aber aufgepasst: wenn man stirbt, landet man als Fast-Food-Tüte an Ort und Stelle. Dann muss der Wiederbeleb-Typ (einer der Killer7) kommen, die Tüte einsammeln und wiederbeleben. Voll krank eigentlich. Und wenn du jemanden tötest, also einen dieser Heaven Dingsbums, saugst du das Blut von dem Töten Ding automatisch auf. Damit kannst du dann im Raum von dem Typen im Rollstuhl Serum herstellen lassen, womit man dann die Charaktere aufleveln kann. Find ich voll gut, weil dann auch neue Fähigkeiten bekommen und so. Und im gleichen Raum kannst du übrigens auch speichern, allerdings nicht immer, denn die Speichertussi ist nur in wenigen Räumen bereit zu arbeiten. Voll krank.
Tja…so geht das halt die ganze Zeit. Ist nicht wirklich abwechslungsreich. Nur die Geschichte ist voll toll (ja, auch wenn sie verwirrend ist)! Naja…die ist aber auch unter anderem deshalb so toll, weil sie so toll erzählt wird. In laaaangen Zwischensequenzen mit vielen Dialogen. Ich muss jetzt mal wirklich brutal ehrlich sein: du, eigentlich ist Killer 7 ja total langweilig. Nur…dieses kranke Zeug…naja…macht das Spiel so gut.
Und das ist total mein Ernst!
Wirklich.
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Killer 7
System: GameCube, PlayStation 2
Hersteller: Capcom
Entwickler: Grasshopper Manufacture
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt…
Ich habe heute Mario Power Tennis gespielt. Ein schönes Spiel. Ich habe mir gedacht: „Khesrau, schnapp dir deinen Bruder und fordere ihn heraus. Gegen dich wird er schon keine Chance haben, die Flasche!“
Gesagt, getan: „Na, wie wäre es mir einer Runde Mario Tennis? Musst nur A drücken und hin- und herlaufen.“ Obwohl ich siegessicher bin, gebe ich ihm das Dritthersteller-Pad, während ich mir das Nintendo-Original schnappe.
Das erste Spiel läuft super für mich, er hat nicht den Hauch einer Chance, verliert beinahe jeden Ballwechsel. Außerdem weiß er zu der Zeit noch nicht, wie Lobs und Power-Bälle funktionieren.
Das Leben ist schön.
Da ich so verdammt viel Spaß beim Gewinnen habe, fordere ich ihn zu einem großen Spiel mit fünf Sätzen à sechs Spielen heraus. Er stimmt zu, nimmt noch einen Schluck von seinem Eistee und grinst mich blöd an.
Der Rest ist eine Katastrophe: Er trickst mich nach Strich und Faden aus, die Lobs gelingen ihm auch merkwürdigerweise und er schlägt Asse wie ein Weltmeister. Ich habe zuerst gedacht, es läge an Mario, aber weder mit Diddy noch mit dem Shy Guy noch mit sonst wem kann ich ihn besiegen. Er ist unschlagbar. Verdammt, er ist besser als ich.
Während also andere über Gewalt in Videospielen sprechen, habe ich in diesen Augenblicken das dringende Bedürfnis nach realer Gewalt gehabt. Aber außer ein paar Controller-Würfen zur Seite und einigen neckischen Schlägen auf die Oberarme, konnte ich es nicht über das Herz bringen, ihm so richtig die Fresse zu polieren.
Next,










