Goodbye Blips and Blops

Wenn man live Chiptunes sowie die Begeisterung rund um 8-Bit-Musik erleben will, dann ist das seit 2006 bestehende Blip Festival die erste Adresse. Beziehungsweise war es die erste Adresse, denn mit dem im Oktober stattfinden Ableger in Tokio will die Mannschaft um die Festival-Reihe aufhören. Im aktuellen Newsletter und auf der Seite der 8bitpeoples wird folgendes geschrieben:

When we invaded an old bank in NYC’s financial district back in 2006 to throw the first Blip Festival there was no way we could have predicted the way that it would grow over the years. All the while, the organizational team behind-the-scenes has remained a very small and hands-on crew. Running it all has been an immensely rewarding experience, but also incredibly demanding, and often monopolizing our energy and efforts at the expense of other 8bitpeoples projects. So after careful deliberation, we’ve decided that this October’s Blip Festival Tokyo 2012 will be the last installment of the Blip Festival event series for the foreseeable future. A special thanks to Christian Villum, David Adams, Kristy Dossor & Eugene Davoren-Britton — without whom, the overseas editions of Blip Festival would not have been possible.

To all the people that have shown Blip Festival so much love over the years, we thank you. We hope that you’ll come join us for one last hurrah in Tokyo, and that you’ll find our other future endeavors worthy of the same enthusiastic support.

Ich bin mir sicher, dass andere Leute bald einen gleichwertigen Ersatz organisieren werden, aber das Blip Festival hatte in den letzten Jahren einen nicht zu unterschätzenden Grad an Medienaufmerksamkeit erreicht und galt als das jährliche Konzert-Highlight der Chiptunes-Szene. Auch der sehenswerte Dokumentarfilm „Reformat the Planet“ (kann man sich online auf Penny Arcade TV ansehen) schuf Interesse für Szene und Musik und portraitierte ganz wunderbar das Festival selber.

Jedoch, wie gesagt, es wird bestimmt in naher Zukunft einen gleichwertigen Ersatz für das Blip Festival geben. Dafür war es zu wichtig und ist die Begeisterung abseits der Szene um die 8bitpeoples aus New York zu groß (siehe z.B. „Chiptunes = Win“). So wird auch im September in Manchester zum ersten Mal das Festival SuperByte 2012 stattfinden, aus dem vielleicht ein gelungener Ersatz wachsen wird.

Apropos Chiptunes und Schluß machen: Ich habe erst vor kurzen mitbekommen, das das 8-bit Collective seit fast einen Jahr down ist, anscheinend weil man sich hinter den Kulissen zerstritten hat. Ein okayer Ersatz liefert u.a. das Forum von Chipmusic.org, bei dem es auch 8-Bit-Musik unter Creative Commons-Lizenz gibt.

Foto von Lucius Kwok.

Mixtape #3

Schau an, wer von den Toten wiederauferstanden ist. Nein, dieser Blog ist nicht gemeint, sondern das G.T.A.-Mixtape! Der treue Leser wird sich daran erinnern, dass als Muxtape noch nicht von der Musikindustrie dicht gemacht wurde, es schon einmal zwei Sammlungen voll mit Videospiel-Soundtracks, spiele-inspirierten Songs und heißen Chiptunes gab. Doch dank 8tracks gibt’s nun endlich wieder Mixtapes von eurem liebsten Spielblog. Zwei Nachteile hat der Service aber: Es wird keine Trackliste angezeigt und beim zweiten Hören wird die Reihenfolge durcheinander geworfen.
Aw, fuck it, hauptsache wieder Mixtapes.

Grind That Authority Mixtape #3

1. 6955One
Viel zu lange warte ich schon auf FEZ, dieses bezaubernde Jump’n'Run mit der 2D/3D-Mechanik. Hoffentlich kommt es dieses Jahr endlich raus, die Musik aus dem ersten Trailer verfolgt mich schließlich noch immer.

2. BeckBad Cartridge (E-Pro)
Beck Hansen hatte 2005 eine kleine EP names „Gameboy Variations“ rausgebracht, auf dem Songs aus seinem Album „Guero“ als Chiptunes geremixt wurden. Einer der Remixer war Paza Rahm, der aus Becks rockigen „E-Pro“ (tolles Video übrigens mit 3D-Vektorgrafiken) durch den 8-Bit-Soundchip jagte.

3. DubmoodSilent Shout
Dubmood aus Schweden nimmt sich „Silent Shout“ von seinen Landsleuten The Knife an, fügt ein paar kräftige Beats hinzu und jagt es ebenso durch den 8-Bit-Soundchip. Geil!
Ist übrigens Teil eines The-Knife-Chiptunes-Cover-Samplers des Netlabels Data Airlines.

4. DealershipForest
Dealership ist eine amerikanische Indie-Rock-Band, die schon seit 1995 besteht. Das bekannteste Mitglied ist Jane Pinckard, die damals mit ihren Blog Game Girl Advance als Inspiration für G.T.A. diente und auch sonst eine Tausendsassa in der Spielebranche ist.
„Forest“ ist eine Hommage  an Ocarina of Time und hatte später noch ein tolles Video mit NES-Farbpalette und -Auflösung von Aaron Novak spendiert bekommen. Ansehen!

5. glomagTiere necken mit langen Stecken
Wie bitte? Wir sollen Tiere mit langen Stöcken necken? Spricht da etwa seine Nebentätigkeit als Damian Lacedaemion in This Spartan Life? Ist es ein Trauma aus dem Deutschkurs an der Highschool? Oder hat er einfach zu viel Zeit mit den Eagles im Hotel California verbracht? Vielleicht macht das ganze im Zusammenhang auf „DaMaGe“ mehr Sinn? Fragen über Fragen…

6. HayzeeMario vs Megaman / Fanfare
Der niederländische Hayzee nimmt sich auf  „Press Start“ diverser 8-Bit-Melodien an und peppt sie mit dicken Hip-Hop-Bass auf. So wird aus Marios Röhrensound das nächste Instrumental für deine jämmerlichen Versuche als Rapper. (Oh, das hatte ich auch auf Superlevel.)

7. Simon ViklundHeat Wave
Ursprünglich war der Download-Titel und Remake des 88er NES-Spiels Bionic Commando, „Bionic Commando Rearmed“, nur als Tie-In für die viel größere und teuerere Next-Gen-Fortsetzung „Bionic Commando“ von 2009 gedacht. Doch wie das Schicksal es wollte, blieb der große Bruder wie Blei im Regal liegen und „Rearmed“ verkaufte sich wie geschnitten Brot. Schuld daran kann man unter anderem den exzellenten House-Soundtrack von Simon Viklund geben, der sich an Melodien des Originals orientierte. Rearmed war schließlich so erfolgreich, dass es demnächst eine Fortsetzung gibt – natürlich wieder mit Musik von Simon Viklund.

8. Jan Delay f/ Sam Semilia – An die Bürger von Konsolien
Jan Eißfeldt und Samy Deluxe beschwerten sich 2001 auf „Searching for the Jan Soul Rebels“ über die ganzen zockenden Stubenhocker. Nicht nur, dass ich mir beim Hören mein fortgeschrittenes Alter bewußt wird (Memory Card! Lara Croft!), ich frage mich auch ob die beiden das damals auch ernst meinten. Wenigstens ist daraus ein netter Song geworden.

9. Tomáš DvořákThe Sea
Machinarium war nicht nur eines der hübschesten Spiele 2009, es hatte sogar einen der besten Soundtracks aus diesem Jahr. Die verträumten und manchmal surrealen Klänge, die Tomáš Dvořák schon bei Samorost anwendete, kehrten bei diesen Roboter-Adventure wieder zurück. Zwar ist „The Sea“ nicht dabei, aber mit der Machinarium Bonus EP kann man ebenso die Ohren verwöhnen.

10. Hellostereo! – Digital Love
Zum Abschluß gibt’s digitale Liebe von Daft Punk. Das Chiptunes-Projekt mit Coverversionen von den beiden House-Franzosen hatten wir ja hier schon einmal erwähnt,  doch leider wurde „Da Chip“ mittlerweile von der Seite wieder runtergenommen. Wer’s dennoch haben möchte, kann’s ja hier und hier probieren.

(Foto von Christian Bryan)

Raz and Scott reformated Reach

Werte Freunde der elektronischen Zeitverschwendung, heute erscheint Halo Reach, das höchstwahrscheinlich allerletzte Halo-Spiel mit Original Bungie-Geschmack. Mittlerweile bin ich auch schon in die Ludwigshafener Filiale einer großen Spieleladen-Kette marschiert, habe mein vorbestelltes Exemplar abgeholt, einen Kumpel dort getroffen, der sich aus sein Reach besorgte, ein britisches Exemplar von Kane & Lynch 2 aus dem Briefkasten gefischt und werde nun den restlichen Tag das Leben eines Spartans führen (und vielleicht aus das von Lynch).  Bis das Spiel fertig auf der Festplatte installiert ist, muss ich mich mit drei Fakten des Lebens rumschlagen:

  1. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“, diese großartige Comicverfilmung, die ich ja schon in Köln gesehen habe und davon absolut begeistert war, sollte erst in Januar in Deutschland erscheinen. Entsetzen, Trauer und Schock über diesen sich hinziehenden Erscheinungstermin zog sich durch die Bundesrepublik. Doch halte ein, liebe Leserschaft, Universal hat nun den Termin auf den 21. Oktober vorgezogen, schreiben die Fünf Filmfreunde. Jubelt, der Film ist nämlich richtig, richtig gut.
  2. Erinnert ihr euch noch an die Chiptunes-Dokumentation „Reformat the Planet“? Die bis jetzt sich anzusehen war ja relativ schwierig gewesen. Mittlerweile aber kann man sich die DVD bestellen und die Doku sogar auf Penny Arcade TV kostenlos reinziehen. Irgendwie auch logisch, das mit PATV, schließlich haben 2 Player Productions auch die erste Staffel der Penny Arcade-Serie produziert.
  3. Ich hatte mich schon letztens darüber aufgeregt, dass einige Leute in Inception einen Film über Videospiele sehen und Psychonauts die Thematik eigentlich viel besser behalndelt. Nun hat ein YouTube-User mit dem großartigen Name „FineLeatherJackets“ ein Mash-Up aus Inception und Psychonauts gebastelt, das wie die Faust auf’s Auge passt. Yo Cobb, I heard you like dreams


(YouTubeDirektWeNeedToGoDeeper, via)

Funfact: Die Musik im Inception-Trailer stammt nicht von Hans Zimmer, dem Komponisten des Films, sonder war eine Auftragsarbeit von Zack Hemsey.

Chiptunes-Bands mit schwierigen Namen

…gibt es bestimmt mehr, als mir spontan einfallen wollen. Aber „Anamanaguchi“ ohne Fehler auszusprechen oder gar zu schreiben, klappt bei mir selten und gerade eben musste ich den Namen wieder mal korrigieren. Amagauchi Anaguchi Anamanaguchi kennt man spätestens als die Lieferanten des Soundtracks zum tollen (aber ultraschweren!) Scott Pilgrim-Spiel.

Nun wurde die Band mit dem unmöglichen Namen von La Blogotheque zu einer ihrer berühmten Take Away Shows (Mehr oder weniger berühmte Musikanten stellen sich auf die Straße, geben ein oder zwei Ständchen, beglücken die anwesenden Passanten und werden dabei von Blogotheque gefilmt) in Toronto eingeladen und haben auch ihren gemoddeten NES mitgebracht (Bonuspunkte für den PS1-Bildschirm). Ich fordere: Mehr Chiptunes-Bands mit echten Instrumenten!


(VimeoDirektStrassenmusikanten)

Den gespielten Song „Airbrushed“ kann man sich hier oder als Teil des aktuellen Singles-Projekt runterladen.

Wer mehr Amanguchi Anamanaguchi hören möchte, der kann sich deren erstes Werk „Power Supply“ und diverse andere Songs runterladen oder kann gar deren letztes Album „Dawn Metropolis“ käuflich erwerben.

Aerodynamisch


(YouTubeDirektChiptunes)

Je Deviens DJ spielt auf dem diesjährigen Blip Festival „Aerodynamic“ von Daft Punk. Der Herr war übrigens auch auf dem „Da Chip“-Sampler vertreten. ’nuff said.

[via]

8bit-Headbangen in Dänemark

Wer bis heute kollektiv geschmeidig zu Chiptunes headbangen wollte, konnte dies als Europäer nur mit einen Sprung über den großen Teich beim jährlichen Blip Festival in New York machen. Ein leider nicht ganz billiger Spaß für ein paar Gameboy-Melodien. Doch haltet ein, werte Freunde der altmodischen Soundchips, die 8bitpeoples bringen das Blip Festival am 24. und 25. Juli nach Dänemark und damit in eine endlich tolerantere Distanz. Nullsleep, Glomag, Binärpilot, Minusbaby, Bodenständig 2000 und viele andere werden in Aalborg die Bühne rocken. Außerdem wird es Workshops und Präsentationen geben, sowie die Chiptunes-Doku „Reformat the Planet“ gezeigt.

Nach dem Klick gibt’s den Flyer.

[Read more]

Grind That Christmas Tree

„Merry Christmas from Chiron Beta Prime, where we’re working in a mine for our robot overlords. Did I say overlords? I meant protectors.“

Morgen ist Weihnachten, was läge daher ferner mit passenden Liedern euch liebe videospielende Leser in die richtige Feiertagsstimmung zu versetzen?

Fangen wir daher mit einen meiner liebsten Weihnachtssongs vom Nerd-Barden Jonathan Coulton an, der auch „Still Alive“, den Endsong aus Portal, komponierte. In „Chiron Beta Prime“ singt er über eine Gruppe von Menschen, die in einen Asteroiden für ihre tyrannischen Roboter-Diktatoren arbeiten müssen und nun ihrem lieben Verwandten einen verzweifelten Weihnachtsgruß schicken und sich auf ihre Extraportion Soylent Green freuen. Unbedingt anhören!

Weiter mit The Doyouinverts, einer tollen Comedy-Videospiel-Band aus Großbritannien (Obwohl „Band“ trifft es nicht ganz genau, vielmehr scheint es wohl eher ein als Gruppe getarntes Soloprojekt zu sein, ein bisschen wie das auch bei The Streets oder Nine Inch Nails mehr oder weniger der Fall ist). In ihren Songs bewerten sie das Liebesleben auf einer Skala von 1 bis 10 („7/10″), sehen genauso wie UK Resistance in letzter Zeit viel zu wenige blaue Himmel in Videospielen („Blue Skies Forever“) und erzählen stirnrunzenld die Geschichte von Final Fantasy X nach („Random Encounter“). Passend zur Jahreszeit haben The Doyouinverts nun „A Happy New Gear“ veröffentlicht, indem die Charaktere aus dem überflüssigsten Spiel 2008 „Gears of War“ auf ihre eigene Art und Weise Weihnachten feiern.

Wenn wir über Videospielmusik reden, dann dürfen natürlich nicht Chiptunes fehlen, diese wundervolle, mit alten Computern und Konsolen hergestellte 8-Bit-Musik.
Von den 8bitpeoples gibt es „The 8bits of Christmas“, eine Compilation auf der Chiptunes-Künstler mit jeweils einen anderen klassischen Spielgerät Weihnachtsklassiker neu interpretiert haben. Auch Pixelmod Records bieten mit „Merry Pixmas“ einen ähnlichen weihnachtlichen Sampler zum Download an, der jedoch stark von der Qualität schwankt [Danke an Player1 für den Hinweis].
Der Spieleentwickler Foundation 9 verschickte dieses Jahr an verschiedene Presseleute statt einer Grußkarte gar eine ganze CD voller Festtags-Chiptunes, jedoch sucht man leider vergeblich nach einen Download. Zumindest kann man sich bei Kotaku 8-Bit Weapons „God Rest Ye Merry Gentlemen“ runterladen.
Nachdem Doctor Octoroc schon am Anfang diesen Monats eine erste Version von „8-Bit Jesus“ veröffentliche, folgt nun die vollständige Packung mit insgesamt 18 Songs. Anstatt stur alle möglichen Weihnachtsklassiker im 8-Bit-Sound zu covern, mischt er diese experementierfreudig mit den Liedern aus Retro-Games in ganz besonderer Manier. Am Ende klingt es wie die akustische Untermalung zu Mega Mans Heilligabend. [via/via]
Von ComputerHer gibt es, in Zusammenarbeit mit 8-Bit Weapon, schließlich noch drei Chiptunes-Cover mit ganz viel imaginären Weihnachtsgebäck.

Weg von den Bliep-Sounds, zurück zu richtigen Instrumenten: The OneUps sind eine amerikanische Jazz-Band, die Videospiel-Musik covert. Und meine Fresse, die haben’s drauf! Einfach mal die Tracks auf ihrer MySpace-Seite durchhören, ihr werdet es nicht bereuen, schließlich haben sie auch mit „Super Mario’s Sleigh Ride“ das absolute Weihnachtshighlight der ganzen hier in diesem Artikel erwähnten Lieder aufgenommen. Grandios, Super Mario World im Schnee!

Zum Abschluß noch zwei nicht-musikalische Schmankerl: Die „World of Goo“-Fanseite „goofans!“ beglückt euch mit einen weihnachtlichen Level für das beste Indie-Spiel dieses Jahres und bei Tape Findings gibt es das höchstoffizielle Pac-Man-Weihnachtshörspiel aus den früher Achtzigern. [via]

Hiermit bleibt mir nur noch euch frohe Weihnachten und ganz viele Geschenke unter’m Tannenbaum zu wünschen. Woohoo, Geschenke!

Ich bin der Musikant mit dem Gameboy in der Hand

Noch bis Freitag kann man sich auf Pitchfork.tv die Chiptunes-Dokumentation „Reformat The Planet“ rund um die New Yorker 8-Bit-Musik-Szene, das Blip Festival und die 8bitpeoples kostenlos ansehen. Mit dabei ist so ziemlich alles was mit NES, Gameboy & Co Musik macht: Nullsleep, Bit Shifter, Glomag (in einer kurzen Szene sieht man die Xboxen, mit denen er „This Spartan Life“ produziert), Bubblyfish, The Depreciation Guild und viele mehr. Eine richtig schnieke Doku von 2 Player Productions, die ich nur jeden an’s Herz legen kann, der die hochfrequenten Sounds von Retro-Konsolen genauso sehr liebt wie ich und einen Typen im Tetris-Kostüm sehen will.

Angucken. Hier. Jetzt. Aber nur bis Freitag, dann isses wieder weg.

Solchen Dieben sollte man die Hände abhacken, damit sie nicht mehr in der Nase bohren können.

Ich weiß, das sind harte Worte. Aber was soll man sonst sagen, wenn größere Künstler von kleineren Chiptunes-Musikern Samples klauen und diese nicht davon profitieren lassen? Als ich damals zum ersten Mal „Do it“ von Nelly Furtado hörte, fiel mir der Chiptunes-ähnliche Sound auf, machte mir aber keinen weiteren Kopf darum. Ganz falsch lag ich mit meinen ersten Gedanken nicht: Tatsächlich machte sich Furtado-Produzent Timbaland an einen Song vom 8-Bit-Musiker Janne „Tempest“ Suni zu schaffen und verwendete diesen für Furtados „Do it“ ohne das Tempest irgendwo erwähnt wurde oder gar dafür Geld sah. Verklagen konnte Tempest Timbaland nicht, denn es fehlte ihm schlicht und einfach das Geld für einen Rechsstreit dieser Größe. Timbaland reagierte nicht sonderlich sympathisch auf seinen Diebstahl:

On February 2, 2007, Timbaland responded to the plagiarism accusations in an interview by the radio show Elliot in the Morning. In this interview, Timbaland admits to what he calls „sampling“, but he also claims that sampling is „not stealing“, because „everybody samples from everybody every day“. Timbaland also says that the sample is „from a video game“ and mentions the Commodore 64. He also says that he has no time for research and that it is sometimes impossible to „know what’s public domain and what’s not.“ Timbaland also calls the issue „ridiculous“ but mentions that he is „in legal discussions“ and therefore can’t say much about it. He did, however, call Janne Suni an „idiot“ and a „freakin‘ jerk“ on the show. He consistently talked about the incident as sampling, failing to address the claims with regards to the melody.

On February 9, 2007, Timbaland commented on the issue as follows in an MTV interview:

„It makes me laugh. The part I don’t understand, the dude is trying to act like I went to his house and took it from his computer. I don’t know him from a can of paint. I’m 15 years deep. That’s how you attack a king? You attack moi? Come on, man. You got to come correct. You the laughing stock. People are like, ‚You can’t be serious.“ (Quelle)

Mittlerweile soll man sich jedoch laut Tempests Seite außergerichtlich geeinigt haben. (Mehr Infos beim Marc* und der Wikipedia)

Dieses Jahr sorgen Crystal Castles (nicht benannt nach dem gleichnamigen Arcade-Spiel) mit einen ähnlichen Fall für negative Publicity. Die kommenden Support-Acts der diesjährigen Nine Inch Nails-Tour wurden von Musikmagazinen und -blogs für ihre Mischung aus 8-Bit-Musik und Screamo** gepriesen. Es ist zwar schon arschig sich nicht bei der Chiptunes-Community zu bedanken, die so stark ihren Sound und damit auch ihren Erfolg beeinflußt hat, aber kein Grund sich aufzuregen. Eher ein Grund auszuflippen ist der Diebstahl den Cystal Castles, ähnlich wie Timbaland, begangen haben.

It’s recently come to light that Crystal Castles, a Toronto-based band, has been heavily sampling music from several chip music artists without obtaining permission or crediting them. Lo-bat’s tracks Bibibi and Tizzy, from his 8bitpeoples release Game Boy, are just two instances of this. (Nullsleep von den 8bitpeoples, 8.5.2008)

Besonders piekär diesmal: Die ursprünglichen Chiptunes-Tracks wurden selber unter einer „Creative Commons“-Lizenz veröffentlich. Creative Commons ist eine Alternative zum klassischen Urheberrecht. Es erlaubt, im Gegensatz zum Copyright, dem Nutzer bestimmte Rechte zu behalten (Autoren-Nennung, Urheberverweis), jedoch andere Rechte freiwillig abzugeben (z.B. Bearbeitung des Werkes, Verwendung für kommerzielle Zwecke und Weitergabe). Wir selber nutzen meist als Illustrationen Bilder die unter dieser Lizenz erhältlich sind. Diese verwendeten Bilder sind bei G.T.A. anklickbare Links, die auf die jeweillige Flickr-Seite verlinken und der Autor wird im title-Tag des Artworks erwähnt.

Crystal Castles haben die Creative Commons-Lizenz (und nebenbei auch das Urheberrecht) in mehrfacher Hinsicht verletzt. Die originalen Verfasser wurden nicht genannt, die Songs für eine kommerzielle Nutzung verwendet und bearbeitet, ohne eben die Erlaubnis der Künstler einzuholen.
Kurz gesagt: C.C. sind verfickte Arschlöcher.

„It was only to create annoying sounds. That keyboard was made back in 2004 and then we learned about this whole 8-bit scene, which we don’t really have anything to do with. It’s a completely different world.“ (Crystal Castles, Quelle)

Für Crystal Castles sind wahrscheinlich auch Lizenzverträge eine „komplett unterschiedliche Welt“.

Mehr Infos:
Create Digital Music
MySpace- und eine inoffizelle Remix-Seite von Crystal Castles
Weitere Hörbeispiele

*PlayStar verlinkt zum Tönsing? Tja, Meinungen können sich ändern und der Marc scheint ja doch ein ganz sympathischer Mensch zu sein.

**Hä? Aha. Gähn.

Man nennt es „Chiptunes“, Baby!

Damit erweist sich der Nintendo DS als würdiger Nachfolger des Gameboys, den findige Bastler bereits Ende der neunziger Jahre als elektronisches Musikinstrument zweckentfremdet hatten. Die altmodische Hardware erlaubte allerdings nur einen ziemlich beschränkten 8-Bit-Sound, während die aktuellen Geräte mit beeindruckender Klang-Vielfalt und -Qualität aufwarten.

Ach, lieber SpOn-Redakteur, weißt du denn nicht, dass dieser „ziemlich beschränkte 8-Bit-Sound“ in Wirklichkeit der geilste Scheiß ist? Hättest ja den am Ende des Artikels verlinkten GEE-Bericht lesen können. Du könntest auch Nullsleep hören, besonders die Stücke „Ballistic Picnic“ und „Destination Tomorrow“ würden unter Umständen deine Meinung ändern. Vielleicht werde ich auch irgendwann mal mit meinen kleinen Chiptunes-Artikel fertig, dann würdest du wissen was es neben Pornophonique in der Welt des „ziemlich beschränkten 8-Bit-Sounds“ noch so alles gibt. Aber mit einer Sache, lieber SpOn-Redakteur, hast du recht: Der Korg DS-10 rockt und wird hoffentlich auch in Europa auftauchen.

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