Trapped in L.C.

Jeder wird ja beobachten können, wie „psychisch gesunde Erwachsene“ reagieren, wenn in wenigen Tagen das lang erwartete Grand Theft Auto IV in den Regalen steht: Sie checken für eine Weile aus dem Alltag aus – magisch angezogen von der Aussicht in einer riesigen, frei erkundbaren Stadt zum König der der Autodiebe aufzusteigen. Im Lauf ihrer Entwicklung von simplen Pixelmustern zu alternativen Realität sind Spiele viel fesselnder geworden und das im Wortsinn. Wir lieben die Größe die Größe der künstlichen Welten und das „immersive Gameplay“. Wir lieben den Moment des Abtauchen, den Moment, in dem unsere alltägliche Schreibtisch- und Berufsverkehrexistenz von uns abfällt, als wäre sie ein irgenwie unzureichends Surrogat und nur das virtuelle Abenteuer wahr.
(Marc Deckert in „Die tote Zeit“, einen sehr schönen Text in der aktuellen Neon, der von unserem allerliebsten Zeitfresser, dem Videospiel, erzählt.)

Entschuldigt, dass hier auf G.T.A. seit einer Woche schon wieder nichts los ist. Schuld daran ist – ihr ahnt es sicher schon – der vierte Teil des anderen GTAs, welches seit dem Release jede freie Minute bei mir einnimmt. Ich konnte ja nicht ahnen, dass es so schlimm kommt, dass Liberty City mich vom Bloggen und den größten Teil meiner Internetaktivität abhalten wird. Grand Theft Auto IV ist durch die kurzen und kompakten Missionen und die andauernd um Aufmerksamkeit haschenden, virtuellen Freunde von Niko Bellic ein recht süchtig machendes Spiel. Immer gibt es etwas zu tun, immer findet sich etwas, dass von den eigentlich geplanten Aktivitäten ablenkt. Das führt dann schnell zu solch typischen „Noch fünf Minuten, Mutti!“-Situationen: „Du kannst jeder Zeit aufhören, PlayStar! Du machst noch die eine Mission für Playboy X und dann hörst du auf. Und nachdem du mit deiner Freundin Michelle ausgegangen bist. Und mit Brucie ‚nen Helikopterrundflug gemacht hast. Und mit Jakob Bowlen gegangen bist. Und dir neue Schuhe bei Perseus gekauft hast. Und den schicken Mercedes-Klon da vorne geklaut hast. Und mit Roman den Comedy Club besucht hast. Und… [so weiter und so fort.]“
Sowas habe ich in dieser Dimension bei einen Offline-Spiel selber noch nicht erlebt, das nimmt ja schon fast World-of-WarCraft’tsche Außmaße bei mir an.

Aber wie ist denn nun GTA IV genau?
Kurz gesagt:
Fan-tas-tisch!
Das beste GTA überhaupt will ich meinen, wird zurecht am Ende dieses Jahres auf Platz 1 vieler Kritikerlisten landen. Rockstar Games hat diesmal die Messlatte für andere Entwickler, öhm, auf den Mars gelegt. Der wahnsinnige Erfolg und sogar die positive Erwähnung ohne jegliche Killerspiel-Hetze in den Tagesthemen [via Boris] hat sich dieses Spiel absolut verdient. Entwickler zukünftiger Sandbox-Spiele (“GTA-Klon“ ist doch ein unfairer Name für dieses Genre) werden es nun verdammt schwer haben. Hölle, wie will Rockstar das denn im nächsten Teil selber toppen?

Ich werde – spätestens dann, wenn ich die Story durchhabe – bei Gelegenheit im zweiten Teil von „Niko & ich“ mich ausführlicher über das neue GTA auslassen, habt Geduld!

Weitere Meinungen:
René erklärt die Faszination von GTA, doch Daniel lässt sich nicht ganz hypen [wasted-time] und sieht auch die negativen Seite nach dem Durchspielen der Story [Polyneux].

3 Kommentare, Kommentiere oder Ping

  1. Gravatar

    Huch, GTA bei den Tagestehmen? Und dann noch astrein und positiv als Parodie beschrieben, was den politischen Bedenkenträger aus dem Beitrag direkt als Depp dastehen lässt? Sauber, ARD.

    …aber diese Story mit den zwei Brüdern, die das Spiel fünf Jahr lang entwickeln… uiuiui. Ich dachte, Rockstar North wäre größer als zwei Personen ;-)

  2. Gravatar

    Ist Crysis nicht auch nur von drei Jungs programmiert worden?

    :-O

  3. Gravatar

    ness

    Auf jeden Fall eine begrüßenswerte Aktion von der ARD.

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