Der Wiedergeborene – Teil 1

Ich weiß schon, ich weiß schon: „Top 51? Gibt es überhaupt so viele Spiele für das Nintendo 64?“ Das ist wirklich in Ordnung, ich verstehe das. Und genau deshalb muss an dieser Stelle aufgeklärt werden: Ja, das Nintendo 64 hat mehr als 50 Spiele. Und ja, es gibt tatsächlich sehr viele Highlights. De facto und in Relation gesehen vielleicht sogar mehr als auf der mit Spielen geradezu zugemüllten Ur-PlayStation. Nintendo hat mit dieser Konsole sicher nicht alles richtig gemacht, hat viel Boden verloren. Jedoch hat sich der Besitz des Nintendo 64 allein schon durch die Spiele, die wir euch im Laufe dieses großen Specials vorstellen werden, gelohnt.
Und darum geht es auch. Es geht hier nicht um Spiele, die oft über die Ladentheke gewandert sind und auch nicht um Spiele, die in der Presse in den Himmel gelobt wurden. Sicher, auch diese Spiele sind mit von der Partie. Aber wir hoffen, mit unserer Top 51 ein paar Überraschungen bieten zu können, was den Rang so einiger Klassiker (Mario 64, Ocarina of Time und so weiter) angeht.
Wir wollen hier keine Kritiken schreiben. Wir wollen eher aus unseren Erinnerungen erzählen und kleine Anekdoten erzählen, wenn sie denn existieren. So hoffen wir, das Special emotionaler und persönlicher zu machen als so manch andere „Top-Liste“.
Und wir hoffen natürlich, neugierig zu machen, sodass der ein oder andere sich demnächst auf ebay umsieht und sich so eine Konsole nach Hause holt. Es lohnt sich sicherlich.
„Warum ‚Der Wiedergeborene’?“, werden sich einige fragen. Nun, die Antwort ist einfach: Nintendos nächste Konsole „Revolution“ wird ein Download-Service haben, mit dem man sich Spiele aus alten Zeiten herunterladen kann. Und zwar aus dem Katalog von NES, SNES und Nintendo 64.
Außerdem hört sich „Der Wiedergeborene“ so schön reißerisch an. Und klingt gut.
Eine Besonderheit noch: Das Special machen wir nicht alleine. Wir haben ein paar Kollegen aus dem In- und Ausland dazu eingeladen, doch ihre Anekdoten zu ein paar Spielen zu erzählen. Und ein Interview wird es es ja vielleich auch geben. Wer weiß…?
Freut euch also schon einmal darauf, in den nächsten Folgen das eine oder andere Mal überrascht zu werden.
Disclaimer: Erstellt wurde die Liste in Zusammenarbeit mit jetsetradio. Wir haben uns ein paar Nächste um die Ohren geschlagen, um demokratisch und fair dies zusammenzustellen. Die Bilder sind außerdem alle gegoogelt. Und nun aber viel Spaß, genug geredet.

von GameGod
Seien wir doch mal ehrlich: Zerstören ist so viel cooler als aufbauen. Das haben damals auch die Entwickler von Sim City kapiert, als sie dem Spieler die Möglichkeit boten, per Knopfdruck eine Katastrophe auszulösen. Ja, das hat Spaß gemacht, das war lustig und viel interessanter als Wasserleitungen unter die Stadt zu legen und den Bedürfnissen der Bürger nachzugehen. Wen interessiert das auch schon?
Gut, Rampage stand noch nie für ausgesprochen gute Qualität oder unglaublich geniale Spielmechanik und weißderherrwas. Es ist im Grunde genommen eins der wenigen Spiele, denen man die miese Aufmachung verzeiht. Denn es geht hier nur darum, Gebäude zu besteigen und sie niederzureißen und alles um einen herum platt zu machen. Es sieht weder besonders gut aus noch klingt es irgendwie schön. Es ist einfach nur grobmotorisches Button-Smashing. Und was ist kurzweiliger, als nach einem miesen Tag, eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen? Ja, genau…

von jetsetradio
Es gab ne Zeit da verband man das Wort „Pimp“ noch mit nem Zuhälter. Es gab ne Zeit da spielte Geld in Videospielen noch keine Rolle. Es gab ne Zeit in der man auf den Style pfiff… die Zeit der Spielhallen-Rennspiele. Cruis’n USA ist so eines. Und obwohl das Spiel eigentlich nix Herausragendes an sich hat und außer den damals typischen Merkmalen wie poppiger Grafik und unkomplizierter Steuerung nix bietet, dass Daytona USA und Co nicht schon vorher gehabt hätten, verbind ich sehr viel damit. Wahrscheinlich da es als einer von drei Automaten jahrelang in der mittlerweile nicht mehr existierenden Spielhalle bei mir um die Ecke stand. Und da wurden natürlich regelmäßig die Schillinge verprasst, bis man vor der Entscheidung zwischen Wurstsemmel und noch ner Runde Cruis’n USA stand. Klar, dass Cruiiiiiiiiis’n gegen den Hunger gewann. Und selbst wenn die Umsetzung aufs N64 nicht sonderlich gelungen ist und Cruis’n USA bei vielen (nicht zu Unrecht) als Trash abgetan wird, hat es bei mir persönlich doch sowas wie nen Kultstatus inne.

von Pollo Catalán
Wenn wir mal unser heutiges Wissen beiseite lassen, dass sich die uninspirierten Sequels dieses Spieles bis heute vermehren wie Maden in einem toten Schwein (alte japanische Redewendung), muss bei aller Bescheidenheit gesagt werden, dass Mario Party einfach ein verdammt gutes Partyspiel ist und war. Und das heißt einiges. Selbst in meinem heutigen Alter jenseits der Zwanzig sind in unregelmäßigen Abständen Mariopartyabende in meiner bescheidenen Studentenbude ein gern gesehenes Event. Nachteile: natürlich die auch für damalige Verhältnisse nicht arg berauschende Technik, der geringe Einzelspielerwert, blabla. Vorteile: Eine Menge Spaß, ohne aus dem Nähkästchen plaudern zu müssen wie beim unseligen Brettspiel „Therapy“ und ohne sich nackig zu machen wie beim Strippokern. Aber ich habe wohl schon zuviel gesagt.

von jetsetradio
Der Hauptgrund warum ich mit RPGs eigentlich nix anfangen kann ist meine Phobie gegen Anime, Glubschaugen, bunte Japano-Outfits und Nippon-Geträller.
Und in der Beziehung hat(tte) man es als Konsolenspieler nie einfach. Ich bin sogar dafür, dass der soziale Misstand dieser Minderheit öffentlicht angeprangert wird! Denn die wenigen westlichen RPGs die in den letzten Jahren erschienen sind, lassen sich an ein, höchstens zwei Händen abzählen.
Umso erstaunlicher war die Ankündigung von Aidyn Chronicles, das mit den restlichen RPGs die zu dieser Zeit so auf Konsole erschienen sind überhaupt nix gemein hatte. Und wohl auch deswegen wurde dieses Spiel kein Erfolg, da es grad auf N64 überhaupt keinen Markt für ein solches Spiel gab. Allerdings muss man auch aus technischer Sicht sagen, dass Aidyn Chronicles wohl auf Dreamcast oder Playstation 2 besser aufgehoben wäre. Nichtsdestotrotz war dieses westliche RPG eine mutige und zu gleich auch verdammt ambitionierte Entwicklung. Was AC so besonders machte, war seine Spielwelt, die zumindest auf dem N64 seinesgleichen suchte. Sie war durch ihre weiten Außenlandschaften, samt naturellen Farbtönen, nicht nur sehr stimmig, sondern in ihrer Größe auch unübertroffen. Man fühlte sich einfach wie ein Abenteurer und freute sich über jedes neue Gebiet, dass man erkundete.
Untermalt von einem wunderschönen Soundtrack wurde dabei eine sehr dichte Atmosphäre erzeugt, die aus heutiger Sicht stark an ein Morrowind für Arme erinnert. Spielte man AC nur des Ambiente wegen, erfüllte es seinen Zweck voll und ganz, wollte man allerdings so schnell wie möglich weiterkommen, konnte es nerven. Denn AC ist kein Spiel, dass man an einem Wochenende durchspielt. Nicht weil es an Umfang nur so strotzen würde, nein, weil es einfach von vorne bis hinten zäh wie ein Kaugummi ist. Angefangen von der von Haus aus lahmen Spielgeschwindigkeit weiter zu technischen Defiziten wie einer sehr unstabilen Framerate und gipfelnd in den sehr ermüdenden Kämpfen.
Denn leider (und das war ne Fehlentscheidung) sind die Kämpfe rundenbasierend und leider ziehen sie sich nicht selten wahnsinnig in die Länge. Diese Schnitzer machen Aidyn Chronicles zu einem Spiel, dass nicht jeder genießen kann und zu einem Spiel, dass heutzutage natürlich keinen Pfifferling mehr wert ist. Es kam einfach zu früh, es kam auf der falschen Plattform, es war schlicht und ergreifend überambitioniert. Trotz dieser Mängel isses für mich das beste RPG auf N64, weil es für mich damals ein völlig neues Spielgefühl rüberbrachte und von Glubschaugen so weit entfernt war wie das N64 von der Bezeichnung „RPG-Konsole“…

von Pollo Catalán
Seinerzeit ein höchst eklektisches Hinterbänklerbeat’emup, das Moves aus diversen Prügelspielen und die Grafik vom seligen Parappa the Rapper geklaut hat – und das ich mir dereinst, zusammen mit Bust-a-Move 3DX – in einem preislich bestechenden Bundle besorgt habe. Handlung tut nix zur Sache; es läuft darauf hinaus, dass sich etliche mit Wachsmalkreide gekritzelten Figürchen, ein Cowboy, eine Hiphopkatze, ein Roboter und ähnliches Gesocks auf lustige und bunt-krakelige Weise zusammenkloppen. Anfangs ist das sogar höchst unterhaltsam, bei den recht hübsch (zweidimensional) animierten Special Moves und Taunts, aber wenn man zum siebten Mal sieht, wie der grüne Bär zwanzig Sekunden lang ein Elefanten-Uboot oder wasweißich auf den Gegner fallen lässt, nähert sich der Überdruss, der von den für N64-Verhältnisse übelst langen Ladezeiten noch weiter gespeist wird. Was wirklich punkten kann, ist die Mucke; sie ist irgendwo zwischen Pulp Fiction und Beach Boys angesiedelt und würde einem halbwegs tiefgehenden Spiel ordentlich Schmackes mit auf den Weg geben. Doch so fallen nur die technischen und spielerischen Längen und Unzulänglichkeiten noch mehr auf – also ein Spielchen, das man getrost vergessen kann. Punkt.

von jetsetradio
Das N64 war ne Prügelwüste. Das weiß jeder, der diese Konsole besaß. So lächerlich das auch klingen mag, bei den vielen Krachern die aus diesem Bereich aufm SNES kamen. Aber die wenigen guten Prügelspiele auf N64 kann man wohl an einer Hand abzählen. Das Problem war sicherlich, dass jeder dachte, dass man auf der neuen, herrlichen polygonalen Wunderwelt auch mit Polygonen um sich schmeißen muss. Klassische 2D-Prügler wurden vergessen, stattdessen bekamen wir auf N64 Schrott wie War Gods, Mace: The Dark Age oder Clayfighter 63 1/3. Eines der wenigen guten BeUs aufm N64 ist allerdings Fighters Destiny. Ich würd sogar soweit gehen und sagen, dass es mit Killer Instinct Gold eindeutig DAS Beste ist. Frisch wird Fighters Destiny vorallem durch sein launiges Regelwerk. Denn es geht hier nicht ausschließlich drum des Gegners Healthbalken zu minimieren. Es geht auch nicht drum zuerst zwei von drei Runden gewonnen zu haben. Stattdessen gewinnt derjenige, der zuerst 7 Punkte aufm Konto hat. Und diese Punkte lassen sich auf mehrere Arten erreichen. Entweder schleudert man seinen Gegner Sumo-mäßig außerhalb des Rings oder man punktet durch Konter oder man wirft ihn mit ner Grabattacke zu Boden oder man macht seinem Gegner mit nem Special Feuer unterm Arsch usw. usf. Ja selbst wenn man etwas defensiver vorgeht, lassen sich noch Punkte machen. Bei nem Stand von 6:5 reichts dem führenden Spieler sich über die Zeit zu retten, da selbst ein „Draw“ noch einen Punkt bringt. Und dieses herrliche System sorgt einfach für nen unglaublichen Abwechslungsgrad. Der Rest, wie das Chardesign, die Steuerung oder die grafische Darstellung, sind dann eher wieder konventionell, funktionieren aber auch wunderbar. Gerade zu zweit macht Fighters Destiny so ne Mordsgaudi. Und origineller als ein Großteil der heutigen BeUs isses allemal.
Im nächsten Teil wird es schnell, knuffig und löchrig im doppelten Sinne.










12 Kommentare, Kommentiere oder Ping
LinkTr
mehr davon bitte *G*
ist nett geschrieben und die nahnende Revolution im Auge hab auch recht sinnvoll
Wo wohl PD liegt mmh bei mir auf einem der vordersten Plätze.
Feb 20th, 2006
Cody
Nette Idee, kann ich nur begrüßen :) Jetzt hoffe ich nur daß Ihr nicht 45 abgefahrene “Außenseiter Titel” die kein Mensch kennt auswählt. “Mace” hatte z.B. ne echt gute Grafik, nette Moves und Arenen, “Blast Corps” war mal was ganz anderes vom Spielprinzip her und Diddy Kong Racing das aufgrund seiner unterschiedlichsten Rennserien auch sehr viel Spaß machte wird oftmals zugunsten von Mario Kart64 “unterschlagen”…und weeehe Ihr vergesst das herrlich abgefahrene J. Gemini und die fiesen Ameisen ;)
Feb 20th, 2006
Aulbath
Bin mal gespannt wo Sin & Punishment steht, und ob ihr Mortal Kombat, Doom und Quake mit reingenommen habt.
Feb 20th, 2006
Toolscheik
Endlich nimmt mal jemand das gute, alte N64 unter die Lupe. Neben den normalen Top-Titeln werdet ihr doch sicherlich einige unbekanntere Spieleperlen auflisten, hoffe ich doch!
Fighter’s Destiny habe ich noch gut in Erinnerung, habe ich damals wochenlang gezockt, nur damit ich dann endlich diese blöde Kuh als Fighter auswählen konnte…
Feb 21st, 2006
suicide
SHIT, die Hälfte von den Titeln kenn ich gar nicht! :D
Feb 21st, 2006
topkapi
Danke! Ihr habt schon Recht in der Einleitung. Bezogen auf die Gesamtzahl der Spiele hatte das N64 eindeutig die höchste Kracher-Quote. Die jungen Leute wissen ja heute Perlen wie HybridHeaven oder Yoshi’s Island einfach nicht mehr zu schätzen…
Feb 22nd, 2006
Timo
Verdammt, ich wusste, ich habe irgendwas vergessen!!!1 Jetzt ists zu spät für nen Beitrag, was? =)
Feb 22nd, 2006
Aulbath
Jau, haut mal die nächsten Platzierungen raus… wird nu’ langsam ma’ Zeit! :D
Feb 26th, 2006
SpielerDrei
He’s dead, Jim.
Mär 23rd, 2006
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