“Shawn was just coming to the part where John Romero is cruelly murdered.”

Gute Videospiel-Literatur ist selten. Die Romane zu Halo, WarCraft und Gedöns sind so schlecht, dass man sie nicht mal als Literatur bezeichnen könnte ohne sich zu schämen. Nein, da wird pures Merchandise und Fanservice zwischen den lapprigen Buchdeckeln gedruckt. Als gutes Beispiel fällt mir nur jPod ein (und die in jeder GEE besprochenen Bücher sind bestimmt auch nicht schlecht).
Gute Videospiel-Literatur, die auch noch kräftig zum Denken anregt, ist sogar noch seltener. D-Frag war damals so eine Anlaufstelle, These Nerds früher auch mal, als man noch mehr Gehirne als Fressen polierte* und momentan liefert Experience Points einen Aha-Moment nach dem anderen.
Videospiel-Literatur mit Hirn, dann sogar noch mit absolut lesenswerten Geschichten abseits jeglicher Reportagen und Spielerezensionen, existierst sowas überhaupt?

Jap, nennt sich „Life Starts Here“ und wird dieses Jahr hoffentlich noch weiter die Hütte rücken. Zwölf Kurzgeschichten will Duncan Fyfe ingesamt auf seinem Blog präsentieren, die sich um Videospiele und ihre Kultur präsentieren. „High Society“, die erste Geschichte, dreht sich um die Game Developers Conference in San Francisco, den fiktiven Spieleentwickler Grant Hayes und den ebenso fiktiven Reporter Henry Rich. Rich verfolgt Hayes eine Woche lang auf der GDC und soll als Spiele-Noob seine Eindrücke in der Vanity Fair niederschreiben. Hayes ist davon nicht wirklich begeistert, denn sein neues Spiel und sein Privatleben stecken in Schwierigkeiten. So versucht der Entwickler den Schreiber öfters abzuschütteln und parkt ihn bei ein paar Kollegen, die die Gelegenheit nutzen und Rich kräftig verarschen:

“Grant,” exploded Rich as Hayes neared the table, “Shawn is telling me about this amazing guy called John Romero. He’s this wild, trash-talking rocker-type guy who runs away from his abusive parents to live with his friends on a boat. And they decide to make a video game, and right there on that boat they make the Doom games. Doom is a huge hit, making Romero a millionaire, and so he retires from games to go into property development. But after a number of years, he gets bored, and so uses his largesse to fund his lifelong dream. He forms a heavy metal band: Red Faction. Did you know about this?”
“Yeah, it was quite surprising when that happened to John Romero.”
“Grant,” said Shawn, “you are so lucky to have this guy who is the epitome of a classic reporter. He really listens and observes the world around him.”

Bin gespannt, ob Fyfe weiter auf diesen Niveau schreiben wird. Apropos: Wer mehr von der Athmosphäre der GDC einatmen will, sollte sich die „Durch die Nacht mit Chris Crawford und Jason Rohrer“ ansehen, dass bestimmt auch in dem Torrentnetzwerk der Piratenbucht deines Vertrauens zu finden ist.

*Obwohl ich zugeben muss, dass ich beim letzten Artikel über „Manchmal ist es einfach notwendig, sich zu sagen: ‚faschistoider Gedankenkitsch ist immer noch viel cooler als Indie-Games, Chiptunes oder die Gee‘“ wirklich gelacht habe. Aber das fällt dann immer noch unter „Fresse polieren und rumtrollen“. Obwohl, na ja, gehört das nicht eben zu These Nerds einfach dazu?

(Foto von TechNopal)

3 Kommentare, Kommentiere oder Ping

  1. Gravatar

    Ich hatte doch extra einen Text für diesen Einwand geschrieben:

    http://shodannews.wordpress.com/2009/08/30/haptik/

  2. Gravatar

    Ich finde uns übrigens gesitteter und on pointer als je zuvor.

  3. Gravatar

    Na, da bin ich ja mal gespannt - THX…

Kommentiere ““Shawn was just coming to the part where John Romero is cruelly murdered.””