Sich selbst jagen
Nur selten spürt man bei einem Videospiel, dass es Videospiele verändern könnte. Bei Quantic Dreams Mystery-Thriller Fahrenheit hat man an allen Ecken und Enden irgendwie das Gefühl, dass dieses Spiel wichtig ist. Wie es sich aber für ein visionäres Experiment gehört, gibt es leider auch noch an einigen Stellen Defizite.

Fahrenheit versteht sich als eine neue Form des interaktiven Films. Zu Beginn des Spiels geschieht ein Mord, durchgeführt von Lucas Kane, der bei der Tat jedoch nicht Herr über sich selbst zu sein scheint. Der Spieler begleitet nun die beiden Ermittler in dem Fall genauso wie den Mörder auf seiner Flucht. Aus dieser Schizophrenie schöpft das Spiel seine Faszination und beschert viele interessante Situationen. Erst manipuliere ich mit dem Mörder den Tatort, später untersuche ich ihn in der Rolle der Polizisten. Im weiteren Verlauf gilt es nun Lucas Kane immer ausreichend Vorsprung vor den Ordnungshütern zu verschaffen, so dass er herausfinden kann, was ihn zu dieser schrecklichen Tat gebracht hat. Dabei gibt es nicht nur einen richtigen Lösungsweg, sondern man kann aus einem Repertoire verschiedenster Handlungen wählen, die alle den weiteren Spielverlauf spürbar beeinflussen. So schreibe ich meine ganz eigene Geschichte.
Wie genial dieses Wechselspiel zwischen den gegeneinander agierenden Charakteren manchmal ist, zeigt sich im Detail. So muss man zum Beispiel als Ermittler ein Phantombild des Täters erstellen und kann dabei auch sein umfangreicheres Wissen als Spieler nutzen. Oder auch nicht.
Die spannend erzählte und hervorragend inszenierte Story fesselt einen regelrecht an den Controller und schreitet auch zügig voran, weil es eben keine klassischen Adventure-Rätsel gibt und auch mit dem Bildschirmtod nicht inflationär umgegangen wird. Stattdessen gilt es meist unter Zeitdruck einen kühlen Kopf zu behalten und richtige Entscheidungen zu treffen, was ebenso dramatisch und spannend sein kann, wie eine Zombiejagd in dunklen Kellergemäuern. In dieser Hinsicht könnte Fahrenheit ein Prototyp für kommende Spiele sein. Danke für den Beweis, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, eine Story interaktiv zu gestalten als durch Kampszenen.
Leider lässt das Spiel im späteren Verlauf ein wenig nach. Es scheint fast so, als hätten die Entwickler den anfänglichen Pioniergeist nur bedingt durchhalten können. Während die Handlung immer mysteriöser wird, hat man als Spieler nicht mehr wirklich das Gefühl das Geschehen auf dem Bildschirm entscheidend beeinflussen zu können. Das hat anscheinend auch das Team von Quantic Dream gespürt und versucht mit massivem Einsatz von Actionsequenzen Interaktivität zu erzwingen. Nur schade, dass diese Sequenzen über primitves Drücken von Knöpfen im Tanzspiel-Stil nicht hinauskommt. Wenn Lucas Kane Kraft einsetzen muss, dann gilt es sogar in Mordsgeschwindigkeit abwechselnd die Schultertasten zu drücken. Fingerkrampf und Track& Field lassen grüßen.
Trotz der enttäuschenden Momente bleibt Fahrenheit ein uneingeschränkt empfehlenswertes und richtungsweisendes Abenteuer. Bitte mehr davon!
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Fahrenheit
System: Xbox, PlayStation 2 und für Besux seinen PC
Hersteller: Atari
Entwickler: Quantic Dream










12 Kommentare, Kommentiere oder Ping
Besux
erscheint auch für pc
Sep 19th, 2005
jetsetradio
Zur PC-Version lest ihr dann etwas bei Rebell.at.
Sep 19th, 2005
Nasreddin
WoW, für PC erscheinen noch Spiele?
Sep 19th, 2005
Mo
Wow, Konsolen haben immer noch die 720×576 Auflösung aus dem 18. Jahrhundert?
Gruß vom 1600×1200-PC mit 100Hz :-)
Sep 19th, 2005
Jan
Games should not try to act like movies.
@mo: Wovon hab ich mehr? Von ‘ner hohen Auflösung oder von ‘nem interssanten Spiel?
Sep 20th, 2005
Thomas
Kann die Meinung nur bestätigen, ich habe Fahrenheit (Xbox) am Wochenende in zwei Sitzungen durchgespielt, weil ich den Controller ebenfalls nicht aus der Hand legen konnte.
Stark genervt haben nur drei Sequenzen: Das Phantombild habe ich beim besten Willen nicht hinbekommen, die Suche nach dem richtigen Band im Archiv war nervig und der Balanceakt gegen Ende hat eine nicht sehr intuitive Steuerung, die mich wahnsinnig gemacht hat.
Die Actionsequenzen sind zwiespältig: Einerseits sind sie super gemacht, andererseits kann man überhaupt nicht darauf achten, weil man eben nur auf das Senso-System guckt, um die richtigen Eingaben zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass viele Spieler auch keine Lust auf dieses System haben.
Mir persönlich hat das Spiel viel Spaß gemacht. Dass ich ein Spiel in 2 Tagen durchgespielt habe, hatte ich noch nie, allerdings ist es mit 9 Stunden auch recht kurz.
Sep 20th, 2005
Mo
Jan, natürlich von ‘nem interssanten Spiel. Aber wenn ich beim selben Spiel schon die Wahl hab zwischen flimmernden Treppchen und scharfen Bildern, ja dann…
(ok, off topic hier, Verzeihung)
Sep 24th, 2005
totoro
@mo
Hab auch lieber die Xbox-Version gespielt, weil ich 1. gemütlich auf dem Sofa und nicht verkrampft auf einem Bürostuhl sitzen kann, 2. meine 5.1 Dolby Digital-Anlage im Wohnzimmer einfach mehr hergibt als meine Stereo-Lautsprecher an meinem Rechner und 3. 1,60 m Bildschirmdiagonale gerade bei einem Film-Spiel wie Fahrenheit einfach geiler sind wie ein popliger PC-Monitor. Im Übrigen kann die Auflösung noch so hoch sein, im Endeffekt ist die Grafik eh nicht der Brüller bei Fahrenheit. Außerdem wird mit der nächsten Konsolengeneration durch die HDTV-Unterstützung auch in Sachen Auflösung kein grafisches Defizit gegenüber einer PC-Version vorhanden sein. Gerade mit dem Nintendo Revolution Controller stell ich mir zukünftige Spiele richtig geil vor, endlich ist man mitten im Geschehen, ähnlich wie bei Eye-Toy…Tja, die armen PC-ler werden wohl auf immer und ewig an ihre Maus und Tastatur aus dem 18. Jahrhundert gekettet bleiben…
Zu Fahrenheit: Gerade durchgespielt, hab etwa 8 Stunden gebraucht, hatte alles auf schwer eingestellt und trotzdem ist das Spiel viel zu einfach. Auch lässt das Spiel im letzten Drittel deutlich an Originalität, spielerischen Einfluss und Story vermissen. Irgendwie hat man das Gefühl, das die Entwickler unter Druck standen und das Spiel noch schnell zu Ende bringen wollten. Man läuft nur noch rum und aktiviert somit weitere Sequenzen, ab und an kommt dann wieder eine nach dem 100. Mal einfach nur noch öde Aktion-Passage, die bei weitem nicht so viel Bock machen wie z.B. die QTEs bei Shenmue. Schade! Es gab aber auch ein paar richtig gute Szenen (in der Irrenanstalt!), nur leider nicht genug! Zu viele Fragen wurden offengelassen, man fühlt sich nach dem Durchspielen ein wenig hintergangen. Ist ein typisches Videotheken-Spiel, zu kurz, zu leicht, zu wenig Spiel fürs Geld. Die Musik wiederholt sich auch ständig, auch wenn sie nicht schlecht ist. Die Sprecher im Original sind großartig, die deutsche Synchro dagegen einfach nur peinlich. Aber wie gesagt, während man im Spiel drin ist, macht es schon Spaß bis der Abspann flimmert, aber dann hat man das Gefühl “He, moment…Eigentlich bin ich im Endeffekt doch einer linearen Story gefolgt ohne größeren Einfluss, bin von A nach B gelaufen, hab was aktiviert, Film-Sequenz geschaut, wieder von B nach C gelaufen, was aktiviert, Film-Sequent geschaut usw…Wie konnte mir so was simples eigentlich Spaß machen?” Im Endeffekt ist es wirklich ein vorprogrammierter Film - statt auf der Fernbedienung Start und Pause zu drücken, muss man halt hier von A nach B rennen und irgendwas machen (was auch vorgegeben ist). Im nachhinein ist das doch sehr fade… Besonders gut gelungen Szenen wie zum Beispiel die Irrenanstalt-Szene reizten mich letztendlich doch zum weiterspielen, um ähnliche Szenen erleben zu dürfen, leider blieben die dann im weiteren Verlauf aus… Trotz allem hoffe ich, das sich andere Entwickler dieses Konzept im Hinterkopf behalten und ähnliche Experimente mit dem Adventure-Genre anstellen, um guten Storys mit mehr Interaktivität noch mehr Pepp zu geben. Eigentlich ist es traurig, das Fahrenheit beim Publikum doch besser ankommt als beispielsweise Shenmue, denn das von Kritikern hochgelobte innovative neue Konzept gab es schon vor 6 Jahren in Shenmue: dort gab es das alles schon: nicht-lineare Lösungsmöglichkeiten, Action-Einlagen in Form von Knöpfchendrücken und sogar mehr Interaktivität duch Prügelspiel-Einlagen. Lustigerweise ist selbst die Dreamcast-Grafik von Shenmue sogar besser als die von Fahrenheit. Nur hat Fahrenheit, was Shenmue damals nicht hatte: gutes Marketing. Schade, schade…
Okt 5th, 2005
Alfons
Hallo,
Ich habs als PC Version und ganz große Prob da, wo man schnell den “Controler” drücken müsste.
Ich hab keinen x-Box Controler und keine Ahnung wie de bei den Spiel belegt ist…
Kann der helfen? Also bis jetz weiß ich das recht die Pfeiltasten sind, aber was bei links was ist hab ich keine Ahnung.
Plz help, will das Spiel zuende spielen und nicht bei der 1. Kampfszene sterben….
Mär 13th, 2006
PlayStar
Da ich Fahrenheit schon wieder deinstalliert habe, kann ich dir jetzt nur raten, mal in Optionsmenü zu gehen und dort nachzuschauen, wie das bei dir eingestellt ist. Ich rate dir auch, für die Senso-Aktionen das linke “Feld” auf AWSD und das rechte “Feld” auf die Pfeiltasten zu legen.
Mär 13th, 2006
Hasreddin
Hasreddin Hoca
Jul 8th, 2008
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