Seelenblasen

Menschenseelen sind für gewöhnlich sehr sensibel, erst recht, wenn sie post mortem in der Atmosphäre herumirren, auf der Suche nach einer neuen körperlichen Heimat. Diese Seelenwanderungen werden unterstützt von kleinen, koboldartigen Wesen, den Seelenhirten. Ihr Geheimrezept: Fängt man die Seelen in einer Luftblase ein, können sie wohl behütet und abgeschottet von der für sie giftigen Erdatmosphäre transportiert werden. Allerdings nicht unterm Arm oder in der Hosentasche, sondern frei schwebend, bewegt nur durch sanftes Pusten des Seelenhirtens. Da auch ein Seelenhirte irgendwann einmal Rente beziehen möchte, muss er natürlich Nachfolger ausbilden. Im DS-Spiel Soul Bubbles schlüpft ihr in die Rolle eines solchen Seelenhirten-Azubis und versucht, eure Lehrjahre möglichst ohne größere Verluste in Form von kostbaren Menschenseelen herumzubringen.
Ich hatte schon immer eine Schwäche für französische Kunst, obwohl ich mit dem Land und den Leuten selbst ehrlich gesagt nicht viel anfangen kann. Aber dieser unvergleichliche, liebevolle Stil – eben typisch französisch – lädt zum träumen ein, lädt dazu ein, sich ganz in dem jeweiligen Werk zu verlieren. Da macht auch der Erstling der französischen Entwickler von Mekensleep keine Ausnahme und regt mit seiner trippigen, farbenfrohen New-Age-Optik die Sinne an. Und es hat tatsächlich etwas von einem Kunstwerk, wenn eine unschuldige Luftblase, gefüllt mit noch unschuldigeren, leuchtenden Lichterchen, welche die Seelen darstellen sollen, anmutig dahinschwebt, durch eisige Berge, feurige Höhlen, stürmische Wiesen. Ein wenig naiv sehen sie aus, wie sie auf spitze Dornen, speiende Vulkane und herabstürzende Felsen hinzuschweben. Ein wenig verloren sehen sie aus, wenn ein Frosch mit seiner überlangen Zunge nach ihnen geifert, wenn sie sich in Spinnenweben verheddern und nicht mehr vorankommen und wenn sie von agressiven Insekten urplötzlich umzingelt werden, die nur darauf warten, ihren Stachel in das überaus empfindliche Behältnis zu rammen.
Auf all das müsst ihr als werdender Seelenhirte eine Antwort parat haben! Neben dem Pusten, welches nicht über das Mikrofon des DS, sondern über simples Linienziehen auf dem Touchscreen vollführt wird, habt ihr noch den einen oder anderen zusätzlichen Trick drauf. Die Blase kann geteilt werden, um durch besonders enge Passagen hindurchzukommen. Auch können neue Blasen gezeichnet werden, welche beispielsweise Wasser beinhalten und so Feuer löschen können. Mit schwerem Gas gefüllte Blasen treibt es immer nach oben, denjenigen mit leichtem Gas ergeht es andersherum. Wird beides gar gemischt, entsteht eine explosive Bombe in Blasenform, welche selbst dicke Barrieren dem Erdboden gleich machen kann. Die Zunge des Frosches und die Spinnenweben können per Touchscreen durchgeschnitten werden, um so die Reise unserer Seelen fortsetzen. All das wird per Stylus in Kombination mit dem Steuerkreuz (Linkshänder benutzen die ABXY-Knöpfe) ausgeführt und geht wahrlich wundervoll von der Hand. Das Gameplay von Soul Bubbles ist stellenweise durchaus komplex und sehr facettenreich, eine große Stärke des Titels ist allerdings, den Spieler niemals mit Optionen zu überfordern, sondern ihn langsam über die gesamte Spieldauer hinweg neue Wege ans Ziehl zu lehren. Zu keinem Zeitpunkt ist unklar, wo es langgeht, was als nächstes getan werden muss oder wie das bevorstehende Hindernis überwunden werden kann. Das Spiel hat eine derart wunderbare Lernkurve, wie ich sie noch nie in einem Videospiel gesehen habe.
Daneben ist Soul Bubbles nicht nur ein weiterer Puzzler, sondern ein wahres Gemälde. Es nutzt die technischen Möglichkeiten des DS perfekt aus. Verglichen mit diesem Spiel wirkt Tombraider-GTA-Wannabie-Allerlei mit klotzigen Polygonen aus der Third-Person-Perspektive trashig; Koopa-Sprites, die seit Super-Nintendo-Zeiten gleich aussehen, wirken altbacken und überholt. Alles an diesem Spiel ist frisch und unglaublich liebevoll. Polygone werden dezent eingesetzt, sodass man sie fast nicht bemerkt, die Framerate bleibt immer bombenflüssig und die realistische Physik der Blase ist fast schon eine Sensation. Kaum ein Spiel auf dem DS fühlt sich so echt an, zieht euch mit seiner gesamten Präsentation derart in seinen Bann. Nebenbei versteckten die Entwickler intelligente Metaphern, die es zu entdecken gilt. Wer hat unser Leben wirklich in der Hand? Wo beginnt und endet die menschliche Existenz? Muss man gegen den Strom schwimmen, um an die Quelle zu kommen?
Und: Sind Kürbisse das kostbarste Gut, das wir haben?
Mein persönliches Spiel des Jahres 2008.
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Soul Bubbles
System: Nintendo DS
Hersteller: EIDOS
Entwickler: Mekensleep (FR)










3 Kommentare, Kommentiere oder Ping
PlayStar
Kleiner Tipp von mir: Über den Nintendo-Kanal der Wii kann man sich die Demo von “Soul Bubbles” auf dem DS laden. Wirklich ein schönes Spiel, werde ich mir auf jeden Fall holen, wenn bei mir wieder das Geld in der Kasse stimmt.
Dez 23rd, 2008
ness
Ich kann mich dem Text nur anschliessen, hatte mir das Spiel vor ein paar Monaten gekauft, zumal es nur noch 20€ kostet, und es ist einfach großartig.
(Auch schön zu sehen, dass es auf der Amazon Seite 15 Kundenrezensionen gibt, und alle gaben 5 Punkte^^.)
Dez 23rd, 2008
HomiSite
Soul Bubbles habe ich mir auch vor kurzem gegönnt, zusammen mit Lock’s Quest (an dem ich noch sitze) - beides für je 20 EUR.
Bin auf SB dann wirklich gespannt - LQ ist zwar auch gut, aber recht “konservativ” :-).
Frohes Fest!
Dez 23rd, 2008
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