Short Stories with Tragic Endings…

Männer heulen nicht, heißt’s immer. Wie denn auch? Wir gucken keine Schnulzen, sondern Fußball. Wir hören keinen Eros Ramazotti, sondern Napalm Death. Wir lesen keine dramatischen Bücher, sondern w00te Forenpostings!!111eins.
Ich mein… auf Filme geb ich wenn’s um „Emotionen“ (ich hasse dieses plakative Kackwort) geht keinen Pfifferling. Filme sind rosaroter Schmons, zum Großteil fernab der Realität und vorgetragen von sogenannten Schauspielern. SCHAUspielern! Witzig fand ich auch, wie sich so ein Filmkritiker, dem ich neulich beim Zappen im kaputtesten aller Medien lauschte, völlig in Rage über diverse Hollywood-Action-Streifen, auskotzte. Der Mann beklagte auch, dass es in Filmen immer weniger Emotionen gibt. Und hat er nicht recht? Aber ich drifte ab. Schon viel eher berührt mich Musik… du scheiße, was heißt viel eher? Wenn es etwas gibt das mich traurig macht, dann isses Musik. Wobei, Musik bestärkt wohl eher ne gewisse Stimmung. Während ich diese Zeilen hier niederschreib, hör ich mir wieder mal From Autumn to Ashes‚ „Too bad you’re beautiful“ an. Es geht um Beziehungen, verlorene Liebschaften, Trauer, Wut… die übliche Scheiße halt. Und genau das transportiert die Platte. Und wenn ich in der richtigen Stimmung bin, dann ist sie wie ein Tritt in die Fresse für mich…
Und um wieder den Bogen zu schlagen, frag ich mich, warum Videospiele in der Beziehung derart flach sind. Wenn ich Bockmist wie EA’s Emotionschmarrn (das ja ausschließlich auf Spielerrekationen basiert) aus dem neuen Madden höre, wird mir kotzübel. EA redet über Emotionen. Das ist so, als ob Stefan Raab bei Arte moderieren würde. Klar, man meint, dass auch hier das gleiche wie bei Filmen zutrifft: „fernab der Realität“. Mag stimmen. Und trotzdem is da ein Unterschied. Vorallem kann ich mich mit einem gut ausgearbeiteten Videospielcharakter, dessen Charakterzüge ich eventuell sogar bestimmen kann, mehr identifiziere als mit einem Leonardo Di Caprio, der um seine Olle trauert. Vorallem aber hat ein Film meist nur zwei Stunden Zeit Charaktere rüberzubringen, während Videospiele in der Beziehung nicht so eingeschränkt sind… und das bringt mich auch gleich zu dem Spiel, dass mich in den letzten Monaten so beschäftigt hat wie selten eins und von dem ich nach anfänglicher Skepsis, spätestens jetzt meinen Hut ziehe. Ich rede von GTA: San Andreas. Wuchtig wie es dieses Spiel schafft eine Welt zu kreieren, voll mit Chars, die zwar selten regelmäßig auftauchen und allgemein wenig Redezeit bekommen, aber einem trotzdem alle ans Herz wachsen. Das is sowas von over the top… wenn’s um Actionspiele geht… um ACTIONSPIELE… wohlgemerkt. Vorallem trifft hier der angesprochene Zeitfaktor massiv zu. Eine der besten Szenen ist eindeutig, die, in der CJ’s Bruder Sweet aus dem Knast entlassen wird und auf CJ trifft, der sich völlig verändert hat. Vorallem heftig, wenn man bedenkt, was man vorher so durchgemacht hat. 40,50,60 Stunden Spielzeit, dutzende Aufträge, tausende geschrottete Karren, Millionen von zurückgelegten Kilometern… und dann is man wieder hier. Zurück auf Los, doch nichts ist wie vorher. Und es riecht verdammt nach Showdown. Vorallem stellt San Andreas seinen Hauptchar nicht als supercoolen Gangster hin, CJ hat auch menschliche Seiten und will’s eigentlich nur ausm Ghetto raus schaffen, zu was bringen. Aber er kommt in einen Gewissensclinch in den wir alle schon mal verwickelt wurden bzw. mal verwickelt werden: große weite Welt vs. gute alte Heimat.
Das ist etwas das ein Film nie erreichen wird. Der hat keine Zeit dem Typen vorm Schirm eine Welt mit ihren Charakteren und markanten Plätzen wochenlang ins Herz zu kloppen. San Andreas schafft’s und zwar so gut wie kein Actionspielchen zuvor.
Doch natürlich ist San Andreas, wenn’s darum geht Videospielchars Seelenstripteas ausführen zu lassen, nicht meisterlich… doch das will und kann es auch nicht sein. Ich denk in der Beziehung viel eher an Silent Hill 2, den Kunstfick für Survivalhorror-Geschädigte. So ungefähr das einzigste Spiel, dass mir nicht durch die Monster, sondern durch das gesamte, verdammt depressive Ambiente Angst machte. Man wollte nicht, musste aber irgendwie weiterspielen. Man wollte nicht, musste aber dran denken… selbst als die Konsole ausgeschaltet war. SH2 hat vorallem auch den Mut, mit James Sunderland ein Häufchen Elend zum Hauptprotagonisten eines Spiels zu machen.
Oder Mafia. Hier werdet ihr so sehr in eine wunderbar ausgearbeitete Welt mitsamt sympathischen Charakteren reingezogen, dass ihr euch immer mehr mit eurem Hauptcharakter identifiziert… ihr fühlt und leidet mit… die Storyschreiber legten es genau eben darauf an, nur damit der Knall der zum Schluss platzenden Bombe noch lauter zu hören ist.
Überhaupt hat kaum jemand Mut zu einem schlechten Ende. Wenn dann gibt’s sowas nur alternativ, wie z.b. in früheren Castlevanias, im tollen The Suffering, in SOS: The Final Escape oder in der angesprochenen Silent Hill-Reihe. Aber es wäre auch bescheurt, würd man sich drüber beschweren. Wer sitzt sich denn vor die Konsole um zu leiden? In Silent Hill 2 musste man leiden… durchwegs. Und gäbs mehr von diesen Spielen, würd das Spielen auch keinen Spaß mehr machen. Die Bezeichnung „Spielspaß“ müsste dann aus sämtlichen Printmagazinen dieser Welt verschwinden… oder in Minuswerten angegeben werden.
Insofern bin ich bescheuert. Bitte diesen Textfetzen nicht beachten.
Aber eins bleibt… Trauer und Wut sind stärker als Liebe Spaß.










12 Kommentare, Kommentiere oder Ping
izanagi
Ganz Unrecht hast du ja nicht, aber ich denke auch, dass es mehr Spiele mit “Standard”-Emotionen geben sollte, bzw. endlich mal richtig bewegende Geschichten, nicht ganz so 08/15.
Ich habe am Wochenende “Das wandelnde Schloss” gesehen und bin, wie auch den bei den “Vorgängern”, begeistert von der Geschichte und den Bildern. Das hat schon was, sowas würde ich auch gerne mal “spielen”.
Die Undustrie und die großen Publisher reden ja alle immer von “interaktiven Filmen” etc. das mag zwar manchmal von der Grafik und der Lizenz stimmen, aber so richtig bewegendes habe ich noch nicht erlebt. Klar, schöne Geschichten und in Spielen gibt es schon, aber ich für mich denke, dass es das Medium “Videospiel” erst dann zu etwas großem geschafft hat, wenn es Menschen so stark wie Filme beeinflussen kann (Stichwort: Titanic, Forrest Gump, etc.). Teilweise schnulzich und schleimich, aber die Welt hat davon geredet und alle wussten worum es ging. Sowas vermisse ich noch bei Spielen, dann haben sie es entgültig indie Köpfe der Menschen geschafft.
Zu deinen “bad endings”: Ich glaube, dass es Geschmacksache ist, wenn es zum Rest der Story passt, dann würde sich bestimmt keiner Beklagen, aber der Trend geht schon zu solchen Happy-Ends, mit offenem Ende für einen möglichen 2ten Teil, der aber wegen zu schlechter Verkäufe des Erstlings niemals das Licht der Welt erblicken wird (BG&E, XIII).
Aug 29th, 2005
Jan
Ich kann dir nur nochmals Final Fantasy VI ans Herz legen ;-)
Aug 29th, 2005
jetsetradio
Also izanagi, Silent Hill 2 bietet so viel mehr als Standardemotionen udn so viel mehr als jeder beschissene Film… ich würd mir halt mehr in die Richtung wünschen. Vorallem bei (Action-)Adventures.
Was mich auch gleich zu Herrn Kackreiz bringt. Ich hab RPGs bewusst außen vorgelassen und grad bei GTA das “ACTION” betont. Liegt dran dass ich a. ein ziemlicher RPG-Noob bin und b. mit dem ganzen Nippon-Anime-Kram der meisten RPGs nix anfangen kann. Shadow Heart Covenant hab ich neulich durchgespielt, das ist sehr fein, aber FF gibt mir nicht so viel. Ich kenn aber ehrlich gesagt auch nur Teil 7, Teil 8 und 9 hab ich mal kurz angespielt. Und ich bezweifle halt auch, dass mich FF6 mit seinen Bitmap-Kopffüßlern emotional mitnehmen kann, ich brauch da wohl was Realeres. Aber is vorgemerkt, ich spiel das Ding mal an… und btw, was meintes du mit “nochmals”?
Aug 29th, 2005
Kai
Spiel Textadventures! Die kompensieren fehlende Grafik mit Geschichten und Charakteren.
Aug 30th, 2005
Jan
“was meintes du mit “nochmals”?”
Sorry, hatte mich im Blog vertan :)
Die Empfehlung gilt natürlich weiterhin. Aber glaubst du wirklich, dass du realistische Grafik brauchst um Emotionen zu transportieren?
In Final Fantasy 6 haben die mit wenigen Pixeln manchmal mehr hingekriegt als heute mit aktueller 3d-Gesichtsanimation.
Aug 30th, 2005
izanagi
@ jetsetradio
ich habe es nie so sehr gespielt, aber öfter zugeguckt.
Was ich aber meinte ist, dass die meisten Spiele ya schon leider bei den “Standard”-Emotionen scheitern, das war nicht aus SH2 bezogen.
Es mag zwar schon gute und große Geschichten in Spielen geben, aber leider müssen die Games noch so einiges nachholen, denn meist finden sich die Emotionen auch nur in den Zwischensequenzen, also nicht beim Spielen selbst. Der Spieler durchlebt zwar Emotionen, aber der Charakter nicht, den lässt das Meiste kalt. daran müsste, meiner Meinung nach, noch gearbeitet werden.
Aug 30th, 2005
Eccoman
Das mit den Filmen… Natürlich hast du einerseits Recht; dem jew. Regisseur stehen ja nur begrenzte Möglichkeiten und Zeitspannen zur Verfügung, um die Story glaubwürdig rüber zu bringen.
Aber ich finde, dass man ja gerade deshalb Filme guckt, weil man von Realität und Alltag ‘entrissen’ werden will und klar: Im Hinterkopf weiß man die ganze Zeit, dass es nur ein Film ist, jedoch sollte man auch berücksichtigen, dass viele Filme auf Grundlagen der Realität basieren. (OK, ACTIONfilme vielleicht nicht so ;))
Und wo ihr gerade bei FF-Empfehlungen seid: In Sachen packender Story fand ich die schnulzigen Folgen 8 und 10 immer noch am besten. Vor allem FF X hatte es IMO faustdick hinter den Ohren; zwischendurch nerven irgendwie ALLE Figuren, die da vorkommen und sowieso ist das viel zu linear und stellenweise sogar überhaupt nicht mehr FF-ig, aber gegen Ende schaffen es die gut designten FMVs und die komischen “Menschen” im Spiel dann doch, dass man ganz bei der Sache ist.
Aber das ist natürlich wie üblich Ansichts- und Geschmackssache… :)
Sep 1st, 2005
Cody
hi!
Natürlich hast Du mit “Das ist etwas das ein Film nie erreichen wird. Der hat keine Zeit dem Typen vorm Schirm eine Welt mit ihren Charakteren und markanten Plätzen wochenlang ins Herz zu kloppen.” recht und eben die von Dir beschriebene Szene/Spielerfahrung in GTA SA hat auch mich stark ähm…berührt, dennoch finde ich daß Du bei dem Vergleich Spiel/Film eine wichtige Sache übersiehst: SERIEN! Gut gemachte Fernsehserien, die über mehrere Staffeln und Jahre hinweg laufen vermögen nämlich durchaus ähnliche Emotionen zu erzeugen wie z.B. ein GTA SA. Auch hier wird man wochenlang,monatelang,Jahrelang in eine Handlung eingebunden, hat die Zeit die Entwicklung der charaktere mitzuverfolgen und sie wachsen einem einfach mehr ans Herz als das ein Filmheld selbst nach dem dritten Sequel schaffen kann. Guck Dir mal die Trekkie Conventions an, der Kult der damals um Twin Peaks veranstaltet wurde, das wochenlange Fiebern ob X jetzt y in der nächsten Folge heiratet oder verlässt, ob Mulder nun Scully küsst oder Buffy Ihren Angel bekommt-ich denke schon daß solch brisante Themen durchaus Millionen Fans den Schlaf rauben können und einige in echt emotionale Krisen stürzen :)
Sep 1st, 2005
jetsetradio
Klar, Cody, du hast irgendwo recht. Serien können einem ans Herz wachsen, aber ich glaub eher der Gewohnheit wegen. Da wird man selten richtig in eine Handlung miteinbezogen… und man kann vorallem selbst nix beeinflussen, so wie in einem Videospiel eben, man erlebt die Geschichten nicht selbst.
Ne, ich bleib dabei, in Sachen “emotionale Einbindung” (ach Gott, wie käsig) sind (gut gemachte!) Videospiele das Nonplusultra unter allen Medien.
Sep 2nd, 2005
Mauserisch
Hi. Habe deinen eintrag jetzt nur mal so überflogen..
aber wenn du wirklich ein SPiel willst bei dem du emotional mitspielen kannst. Das dich greifen kann und du selbst wirklich beeinflussen… dann probiere es mit einem online-rollenspiel. Wobei ich dir da nur ein einziges von den vielen Spielen empfehlen könnte. Dark age of Camelot. Dort wirst du fast alle emotionen erfahren die du in anderen Spielen suchst. Erkundige dich halt mal falls du es wirklich so sehr willst.
Wenn du möchtest kann ich dir da auch weiterhelfen.
Ansonsten..hast den Eintrag gut formuliert ;)
Nov 23rd, 2005
jetsetradio
Haha! Ich nehme an, du liest G.T.A. nicht sonderlich oft, sonst müsstest du wissen, dass wir der Erzfeind Nummer 1 der Onlinerollenspiele sind und uns stattdessen lieber ne Line ziehen oder uns ein paar Bier hinter die Binsen kippen. Ne, das geht echt nicht, Onlinerpgs sind die schlimmste Droge wo geben tut!
Aber dank dir. Vielleicht komm ich in ein paar Jahren nochmal drauf zurück, wenn mein restliches Leben ruiniert ist…
Nov 23rd, 2005
Kommentiere “Short Stories with Tragic Endings…”